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Das Radio in der Designgeschichte zum World Radio Day

Das Radio in der Designgeschichte zum World Radio Day

Das Radio in der Designgeschichte

Als Produktdesigner denkt man beim Thema Radio sofort an Koryphäen wie Dieter Rams, aber was hat es damit auf sich und wie ist die Geschichte des Radios?

Während in Amerika schon ab 1913 das Radio von einem breiten Publikum geschätzt und genutzt wurde, gab es in Europa die erste „Unterhaltungsmusiksendung“ erst 1923. Damals wurden Detektorempfänger genutzt, diese bestanden aus auf Holzplatten aufgesteckten Antennenspulen und einem Kristall-Detektor. Dieses „nackte Radio“ funktionierte nur mit Kopfhörern und ohne eigene Stromleitung (die Energie stammte aus den vom Sender empfangenen elektromagnetischen Wellen). Es war sehr günstig und wurde in Deutschland allerdings bald von teuren Röhrengeräten ersetzt, die von Ingenieuren und Architekten gestaltet wurden.

Siemens 35W
Siemens 35W (1931/32)

Erst ab 1930 wurden diese Geräte verkleidet und bekamen eine „Hülle“. Allgemein löste die Stromlinienform die typische Kastenbauweise der Radios ab. Während Siemens Anfang der 30er Jahre eher im Jugendstil (35W, 1931/32) gestaltete, zeigte Blaupunkt (4W65, 1934/35) Merkmale des Expressionismus. Bang &Olufsen orientierte sich ein paar Jahre später am Art Déco-Stil (Beolit 39, 1938).

Blaupunkt 4W65
Blaupunkt 4W65 (1934/35)

 

Mit Beginn des zweiten Weltkrieges wird alles überschattet. Der Kunstpädagoge und Gestaltungstheoretiker Gert Selle spricht dem „Weltempfänger“, einerseits eine „ästhetisch befriedigende und funktional übersichtliche Produktform“ zu, bringt jedoch andererseits auch auf den Punkt, wie der Nationalsozialismus das Radio instrumentalisiert hat:

 

Bang&Olufsen Beolit
Bang&Olufsen Beolit (1938)

„Ursprünglich sollte es durch Schlichtheit und Zweckmäßigkeit der Form überzeugen und hätte ein Radio für alle werden können. Geworden ist es ein Radio gegen alle“ ¹

Nach dem Krieg wurde festgesetzt, dass das Radio nie wieder zentrales Instrument der Informationsvermittlung werden durfte. Das Programm wurde auf Unterhaltung und Kultur ausgelegt, sollte aber auch über den Nationalsozialismus aufklären. Erst 1949 wurden die Sender in deutsche Hände übergeben und 1950 schlossen sich die Anstalten zur ARD (Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten Deutschlands) zusammen. .

Braun SK 4
Braun SK 4 (1956)

 

Designgeschichtlich wird das Radio ab 1955 durch die Firma Braun revolutioniert. Braun beginnt seine Zusammenarbeit mit der Hochschule für Gestaltung in Ulm, Hans Gugelot (Dozent an der HfG) und Max Bill (Mitbegründer und erster Rektor der HfG) beginnen mit der Analyse des Verwendungszwecks des Radios (und anderen Rundfunk- und Haushaltsgeräten). Sie reduzieren die Gestaltungselemente auf formale Einfachheit und geometrische Klarheit, wodurch dem Grundgedanken der De Stijl-Bewegung entsprochen wird. 1956 beginnt Dieter Rams bei Braun, 1961 wird er Chefdesigner. Er entwirft u.a. in Zusammenarbeit mit Hans Gugelot den Radioplattenspieler SK4, der wohl aufgrund der „gläsernen“ Abdeckung (war nicht aus Glas) auch „Schneewittchensarg“ genannt wird. Die Bedienelemente werden mit „grafischer Präzision“ angeordnet und grenzen sich klar von den Gehäuseelementen ab. Nicht nur für uns ist u.a. dieses Radio ein absoluter Designklassiker.

Welttag des Radios

World Radio Day

Seit 2012 ruft die UNESCO den 13. Februar zum Welttag des Radios aus. Es soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass das Radio noch immer ein wichtiges Informationsmedium ist. In abgeschiedenen Regionen ist es oft die einzige Nachrichtenquelle und wird auch zur Notfallkommunikation und im Katastrophenschutz eingesetzt. Ohne das Radio wären auch heute noch viele Menschen von Informationen ausgeschlossen.

¹Quelle:  Sebastian Karnatz: 21.02.2008 Design oder Nichtsein? TITEL Kulturmagazin, ZITATE daraus übernommen und im Original von Gert Selle aus „Geschichte des Design in Deutschland,“ Campus Verlag.

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